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Real Positive 

2016  

 

Coffee machines constantly produce their coffee for the same people – at least when it comes to private usage. Therefore the coffee is not meant for “all”, but for the tenants. 
Or there is the idea of the robotized or smart apartment: here the tenants' early morning coffee is brewed automatically. Would the nurturing aura around the coffee machine disappear? Or would the apartment thus play an even greater role? 
“Good morning” etc. is wished by a familiar voice, somewhat sonorous. The smart devices would need to have a better reputation, be furnished in timeless chic etc., so that people would let them into their homes. In comparison: All of today’s mirrored plastic and stainless steel surfaces must have once been new as well. Were people heard saying: “I’m not letting something like that into my home?”
Or would people rather live a rural life like at the Hobbits’ or at Shrek’s? Would they prefer to use heavy tools, axes, make fires, and even re-implement long-forgotten vocabulary of old? One “only” has to imagine this could actually happen – it would feel like in a Grimm’s fairytale. They of course would not have been pleased. This was not what these century-old stories meant. The fantasy world...
One might imagine a nightmare scenario from the world of baked goods: a dough-dream, swelling tragedy slipping from its mold and uncontrollably forming new bodies that bring sexual imagery to mind, but not human, rather of monsters, insects, half spider, half squid... How many bakers must have been driven insane, having seen the devil’s work in their handicraft; all those ridiculous ingredients and chemical processes, everything sticky and burnt, the vision obscured by flour-fog and smoke, the consistency all wrong, things bursting and extinguishing, including the oven’s heat. One would be inclined to say: It is not for naught that many secrets remain hidden in the dark, as far away as possible from the light and the world. 
On the other hand there is of course the indulgent delicacy, carefully cushioned taste buds, sweet-dainty delicate divine foamed-cream seduction and tantalizing aromas. Do your own baking?
The day is now almost over. The bedroom is entered and here our story could come to an end, if it was not for the dreams and the many interesting thoughts before sleep. Going deeper and deeper into the psyche.

Die Leute freuen sich und machen gar keinen Unterschied zwischen dem herkömmlichen und dem robotergebrühten Kaffee. Die Armee fleißiger “Roboristas” entsprang dem Sternenkrieg und wer dazu noch Buchteln und Würstel will- - - -?

Vor Hunderten von Jahren hatte man die Kaffeekanne noch ins offene Feuer stellen müssen. Da konnte einem Angst und Bange werden bei all dem Gezisch und Gesprudel, daher wohl auch die viele Fantasie. Die Küche war nun mal ein Ort, der mit Ehrfurcht betreten würde. Hier kamen sämtliche Elemente zusammen. Man kann es sich ja vorstellen…
Aber was ist von alledem heute übrig geblieben außer ein paar seltener Illustrationen, die noch Zeugnis davon tragen, was sich an den Kesseln und Zubern und den Tafeln abgespielt hat. Wie man ganze Brotlaibe mit einem Mal verschlang, Fleischbrocken auf der Mistgabel grillte, gefährlich überkochende Zuber, Vergiftungen an Blei, … Martialisch rußgeschwärzte Beile und Zangen, die unter sich im Finsteren verlierenden Volutengiebeln aufgehängt gewesen sind, nebst an Stricken baumelnden Kadavern….. An den Tischen Scharen von Mensch und Tier, sich befüllend mit allem zur Verfügung stehendem, einander das Essen aus den Händen reißend.

Nichts lässt hier die heitere Schlichtheit späterer Küchentage erahnen, wie hell und leichtfüßig eine Frankfurter Küche daher kam, eine Münchner, oder eine schweizerische, eine schwedische… Nein, damals regierte noch die irrationale Küche wie ein grausiger Tyrann.
Aber natürlich ist Feuer schön, die tanzenden Flämmlein, die verströmt werdende Hitze, die Besinnlichkeit. Die rustikalen Zubereitungsarten längst vergangener Tage. Doch nicht weit davon lauert auch das Grauen der Vergangenheit als abscheulicher Atavismus.

Wenn man also in der Küche wieder die alten Verhältnisse haben möchte, dann muss man die Speisen auch wieder grauenhaft verschlingen! Wieder Fressgelage veranstalten in abgedunkelten Räumen, sodass man sich nicht gegenseitig zusehen muss oder von draußen erspäht werden kann in seiner Gefräßigkeit.

Es nützt gar nichts, vor der Maschine zu sitzen und zu warten, denn leider funktioniert diese Art der Bedienung nicht einfach so. Man wird nicht gefragt - das ist leider das Problem.

Aber von einer robotisierten Kaffeemaschine würde man gefragt werden. Man sagt: “Noch Kaffee!” und bekommt wonach man verlangt. Und würde man diesen Roboter nicht allzu gern in den Kreis der Familie aufnehmen? Ihn wie ein liebes Haustier behandeln, wie ein Familienmitglied?
Tatsächlich sind Roboristas in Planung, aber diese sind natürlich ganz anderer Natur, als wir uns das jetzt vorstellen. Man muss zu Starbucks gehen.
Niederlassungen von Starbucks gibt es überall in Deutschland und in der ganzen Welt. Doch alles begann einmal als kleines Kaffeegeschäft am Hafen. Man las “Moby Dick”, auch eine Geschichte über einen Giganten… Solche Entstehungsgeschichten sind doch immer ziemlich spannend, zumindest wenn es sich um eine Erfolgsgeschichte handelt. Auch die Menschheit ist schließlich irgendwann einmal entstanden. Der erste Mensch: Adam, es gibt wohl Geschichten in denen steht, dass er eine Körpergröße von 4,60m gehabt haben soll. Das wäre doppelt so groß wie ein Basketballspieler und damit ziemlich riesig. Wie war wohl sein erster Tag auf Erden?
Gleichzeitig fühlt man sich bei Starbucks auch an McDonalds erinnert, auch eine Gastronomie mit System. Die von McDonalds eingeführten Roboter sehen eher aus wie Fernsehre. Sehsüchtig wartet man auf ein richtiges Roboterwesen…

Die Zukunft des Haushalts, wie wird sie sich zeigen?
………
Kommunizierende Küchengeräte, die uns bedienen, selbstverständlich und ungefragt, Lieblingsrezepte auf Knopfdruck.
Oder: Schwere Kelche müssen angehoben, Fässer, Tonnen, Zuber geschleppt werden. Rostige Eisen, Stein und grobe Hölzer. Schweres Gerät - Hackebeile, Sägen in der Küche.

Unsere Haushaltsgeräte und ihre Stimmen - zum Beispiel ein gurrender Kühlschrank. Besucher fragen nach: “Habt ihr Tauben?”. Oder etwas macht ein Geräusch wie ein Holzwurm, aber mit Plastik - gibt es sowas? Ein wieder anderes Gerät gibt ein Geräusch von sich wie als würde jemand laut rufen, aber irgendwie außerhalb des Hauses, ein Wandersmann? Es wird einem leicht mulmig; es scheint auch nicht das Gerät selbst zu sein, denn dieses macht eher nur ein sägendes Geräusch. Aber doch bekommt man irgendwie das Gefühl gerufen zu werden, sodass man erschrocken innehält - Hallo, ist da wer? Die Küche ist ein entwicklungspsychologischer Ort mit ganz eigenen (Seel-)Problemen. Auf allen Ebenen stattfindend und alle Elemente einbeziehend - Feuer, Wasser, Luft, auch Erdreste sind zu finden, klebend an Kartoffeln - und ist “Zeit” ebenfalls ein Element…?
Vielleicht nicht per Definition, doch gesetzt dem Fall es würden Zeitreisen möglich werden müsste man das nicht ändern? Ich spreche dies mit einem träumerischen Ton in der Stimme, denn einmal einen Blick in eine ganz andere Zeit werfen zu können ist doch schon eine gute Vorstellung. Den Wissenschaftlern muss sie eine Art Ur-Verlangen sein, um paradoxe Phänomene sich kümmern, ein Zwilling, der so alt ist wie dessen eigene Großmutter, eine Parallelwelt mit alternativer Realität, eine Begegnung mit einer unbekannten Spezies. So erhitzen sich die Gemüter auch an der Zeitdilitation und unzählige Stimmen werden laut, die Vortragenden werden mit Fragen überschüttet, “Wer sind sie?”, “Was soll das?”, “Sagen Sie!”, die Vortragenden suchen schnellstens das Weite.
Also ist es wahrscheinlich ein Ruf aus der Vergangenheit, den man zu hören vermag an der altgedienten Gerätschaft. Wer besitzt auch heute noch ein solches Modell? Die Reisen an einen längst vergangenen Ort - für viele ist es der Gang zum Keller, Dachboden, Ecke in Garage.

Zuerst muss das kühle Nass erhitzt werden. Blubb-blubb-blubb, aufsteigende Wasserbläschen quellenden Lebenselixiers. Einen Weg durch das Ventil, dann die pulverisierte Röstung durchtränkend sprühheißer Dunst des feuchten Elements, das auch eine Ware ist, doch der Durst ein urnatürliches Verlangen. Zuletzt Sahne und Milch - Geschmacksbalance - liebliche Zuckerwürfelchen in Herzform erinnern an unser Innenorgan und dessen eilige, lebenswichtige Funktion. Auch Emotion, Psyche - 

Der Haushalt, über die Jahre betrachtet, ist wie ein Fließband, eine Fabrik, in der immer gleiches geschieht, mechanisierte Abläufe. Es wirtschaftet eine geübte Intelligenz, reich an Erfahrung im Hantieren mit all den kleinen Dingen in dieser kleinen Welt aus Porzellan, Silber, Blech, Plastik, Glas und Holz. Schranktüren gehen im Zeitraffer auf und zu wie klappernde wimpernlose Lider, Wege wiederholen sich und es entstehen schattige Überlagerungen. Über Jahre ist es das Gleiche, beim Nachbarn auch, die gleichen Rhythmen, das gleiche Spiel. Ein Querschnitt durch die Häuserzeile lässt sie erkennen, es ist wie gemeinsam Erlebtes. Schon die Stadien gleichzeitigen Wachseins, gleichzeitige gleiche Dingenverrichtens, Ruhephasen, es reicht bis hinein in eine Willenlosigkeit, ein gefügtes Hin und Her.
Doch hier vielleicht wieder die kleine Herzform - die Überredungskünste kleiner Genüsslichkeiten, Gier nach solchen Kleinigkeiten, neu gefasster Lebensmut(h).

Der Schlaf kommt dann doch nicht zu Stande, also - schlurf, schlurf zur Küche…
Doch was tun…? Geliebter ohnmächtiger Zustand mit seinen unkontrollierbaren Traumwelten, in welchen alles möglich ist, doch dem anderen Leben zum Verwechseln ähnlich, woraus verwirrende Situationen entstehen. Welche Religion ist das, in welcher der Schlaf dem Wachzustand vorgezogen wird? Schlaf, wie das Gegenteil von Arbeit, wem er gegönnt ist.
Nachdenkliche Aktivitäten im Schlaf, ein Sammelort, Verarbeiten von Erlebtem, Ereignissen, wichtig/unwichtig, schön/nicht, usw.

Silberiger Mondenglanz, sternenhimmelklare Nacht, einsames Dasein, entzückte Träumerei. Wie man gerade noch in einer inneren Welt sein Unwesen trieb man nun plötzlich erwacht - Was…?
Von der Kaffeeluft aufgeweckt strecken wir die Glieder, dann wird ein Mantel darüber gestülpt. In manchen Geschichten fliegen jetzt Toastpaare durch die Luft, wahrscheinlich schon bis zur Gänze schwarz verbrannt, während die Marmelade noch, spotz, spotz, erikafuchs auf den Teller kleckst, der aber nicht mehr da steht, weil er bereits die allerdings noch rohen Eier in Empfang nimmt, die nun mitsamt Schale auf ihm zerklatschen. Der Prozess ist noch nicht ausgeklügelt genug. 
Die Behausung der Zukunft - ist sie wohl kleiner als heutige, dafür mit allerhand versteckten Funktionen ausgestattet, praktischer, kompakter, doch auch zellenhaft?
Welt der Zukunft… experimenteller Geist - Gerade eben ging es ja schon ums Aufwachen, und was werden wir für Augen machen, wenn eines Tages doch die versprochenen Roboter vor uns stehen, sich total darüber wundernd, dass wir sie nicht bedienen können. Ich hoffe ganz so ist es nicht…
Wie man aber in vielen Science Fiction-Geschichten sich wundern kann über das mediäval oder gar antik anmutende Handwerk, dem auch die häuslichen Verhältnisse entsprechen. Es muss parallel eine Gegenrichtung entstanden sein. Die ganz persönliche Zukunft liegt also wohl in der Entscheidung, welche man selber vielleicht gar nicht einmal zu fällen im Stande sein wird… Ist es das Parzellenleben, das man wünscht, oder das bäuerliche?
In manchen Geschichten ist die Menschheit gleich ganz verschwunden, hat sie den Planeten gewechselt?, zum Beispiel in der Cars-Serie, eine Trilogie, in der ausschließlich künstliche Intelligenz vorkommt.

Kaffeemaschinen produzieren ihren Kaffee - zumindest im privaten Gebrauch - immer für die gleichen Leute. Der Kaffee ist also nicht für “alle” da, sondern für die Bewohner.
Es gibt nun auch die Idee der robotisierten bzw. intelligenten Funktionswohnung, in welcher die Bewohner frühmorgens ihren Kaffee automatisch zubereitet bekommen. Würde die fürsorgliche Aura um die Kaffeemaschine damit etwa verschwinden? Oder hätte die Wohnung dadurch eine umso größere Rolle?
Auch “guten Morgen” usw. wird gewünscht, eine vertraute Stimme, ein bisschen sonor. Die intelligenten Geräte müssten ein gutes Image haben, mit zeitlosem Schick ausgestattet sein, damit man sie sich ins Haus holt. Zum Vergleich: All die verspiegelten Kunststoff- und Edelstahloberflächen, wie wir sie heute überall antreffen, waren auch einmal neu gewesen. Hörte man hier die Leute sagen: “So etwas kommt mir nicht ins Haus?”
Oder wollen Leute heute lieber wieder ein ländliches Leben führen, wie bei den Hobbits oder bei Shrek? Lieber wieder schweres Gerät verwenden, Äxte, Feuer machen, auch gleich auf altgediente, lang vergessene Wortschatzbarkeiten zurückgreifen?
Man stelle sich “nur” mal vor es käme wirklich so - es fühlte sich an wie im Grimmschen Märchen. Diese würden sich im Grabe herum drehen. So waren ihre die Jahrhunderte überdauerten Märchengeschichten nicht gemeint gewesen. Die Fantasiewelt…
Stellen wir uns ein Alptraumszenario aus der Gebäckwelt vor, einen Teigtraum, der quellendes Elend ist, aus der Form gerutscht unkontrollierbar neue Leibe bildend, die an Fortpflanzungsdarstellungen erinnern, doch nicht einmal vom Menschen, sondern von Ungeheuern, Insekten, halb Spinne, halb Tintenfisch… Wie viele wahnsinnig gewordene Backende muss es geben, die in ihrem Handwerk den Teufel gesehen haben; all die aberwitzigen Zutaten und chemischen Prozesse, und alles klebt, brennt an, die Sicht ist durch Mehlschleier und Qualm verdeckt, die Konsistenz stimmt vorn und hinten nicht, alles zerplatzt und erlischt samt der Ofenhitze. Man will sagen: Nicht umsonst bleiben viele Geheimnisse im Finsteren verborgen, möglichst unerreichbar für das Licht und die Welt.   
Auf der anderen Seite natürlich: verwöhnende Genüsslichkeit, sorgfältig gebettete Geschmacksknospen, süß-zierlich zarte himmlisch schaumsahnige Verführung und duftende Aromen. Selber backen?
Der Tag geht zu Ende. Das Schlafzimmer wird betreten und hier könnte unsere Story enden, wäre da nicht der Traumzustand und die vielen interessanten Gedanken vorm Einschlafen. Es geht nun immer tiefer in die Psyche hinein.

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Fotos by Martin Plüddermann

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